Wie ich die erste Zeit mit Frühchen erlebt habe

Wie ich die erste Zeit mit Frühchen erlebt habe

Elisa ist die Mama von John und Logan. Die zwei Kleinen hatten es besonders eilig: Sie sind in Schwangerschaftswoche 32+4 auf die Welt gekommen. Auf dem Blog „Stadt Land Mama“ schildert sie die aufregende Zeit vor und nach der Geburt der Frühchen.

Zwillinge, wow! Damit hatte niemand gerechnet. Zu meinem Erstaunen verlief die Schwangerschaft zunächst sehr unauffällig. Ich glaubte fest daran, dass ich viele Wochen schaffen würde, und wünschte mir eine spontane Geburt. Doch mein gutes Bauchgefühl änderte sich an einem Donnerstagmorgen – eine meiner Fruchtblasen platzte. Da ich erst in der 31. Woche war, musste ich direkt ins Krankenhaus. Zum Glück ging es beiden Kindern gut. Und so blieb ich mehrere Tage dort, zwischen Hoffnung und Frustration.

In der Nacht des 03.08.2016 – ich war bereits 13 Tage im Krankenhaus – bekam ich plötzlich Schmerzen. Die Oberärztin untersuchte meinen Muttermund: 8-9 cm. Da war mir alles klar. Mein Freund Mike hatte es pünktlich ins Krankenhaus geschafft und keine Minute später war auch schon der erste unserer beiden Söhne per Kaiserschnitt geboren. Sein Bruder folgte kurz darauf: Um 10 Uhr kamen John mit 1730 g und 41 cm und Logan mit 1800 g und 42 cm auf die Welt.

Ich und mein Gefühlschaos

Anfangs quälte mich die Tatsache, dass mein Körper nicht stark genug war, um sie länger zu schützen und ihnen all das zu ersparen. Glücklicherweise stellten die Ärzte aber keine Auffälligkeiten fest, die Jungs konnten sogar schon selbstständig atmen. Trotzdem quälte mich die Angst, sie könnten sich allein, verlassen und ungeliebt fühlen. Sie sollten doch meinen Herzschlag hören und kein Piepen von Monitoren! Außerdem hatte ich große Angst um unsere Bindung. An schlechten Tagen dachte ich, ich sei nichts Anderes für die beiden als eine weitere Krankenschwester.

Mein Partner gab mir Kraft

Ich entließ mich fünf Tage nach dem Kaiserschnitt aus dem Krankenhaus, musste raus aus diesem Krankenbett. Ich sehnte mich nach meinem Zuhause, aber kämpfte auch gegen mein schlechtes Gewissen. Ich fühlte mich schuldig, kam mir so egoistisch vor und vermisste meine Kinder so sehr. Ich war nur zehn Minuten Autofahrt von den Jungs entfernt – und doch kam es mir viel zu weit weg vor.

Zum Glück hielten Mike und ich die ganze Zeit über zusammen. Die Zeit zu Hause tat uns gut, wir schöpften Kraft. Im Internet lernten wir zudem andere Frühchen-Eltern kennen, die Ähnliches erlebten. Wir tauschten uns aus, trösteten uns und machten uns Mut.

Unser Alltag war komplett auf die Jungs eingestellt. Zweimal täglich fuhren wir für mehrere Stunden zu den beiden, mit abgepumpter Milch in einer Kühltasche, ganz viel Sehnsucht und noch mehr Vorfreude. Wir befanden uns in einer Blase, in der man nur von Kuschelzeit zu Kuschelzeit rechnete. Gerade am Anfang, als sie noch im Inkubator lagen, kuschelten wir täglich drei Stunden mit ihnen. Und so war ein Tag doch erstaunlich schnell rum.

Volle Fahrt voraus: endlich das Familienleben genießen

Unsere Söhne entwickelten sich prächtig, nahmen schnell zu. Mittlerweile waren die beiden fast sechs Wochen auf der Frühgeborenenstation, als so ganz nebenbei eine Schwester zu uns kam und sagte, wir könnten die beiden morgen Abend mit nach Hause nehmen. Und so kam der nächste Tag: Wir durften John und Logan tatsächlich in ihren Kinderwagen legen und aus dem Krankenhaus fahren. Für die Passanten waren wir einfach nur ein Pärchen mit Zwillingen. Für uns war es ein zweiter Geburtstag und der Beginn unseres richtigen Familienlebens. Die ersten Tage zu Hause herrschte eine neue Ausnahmesituation: Elternschaft! Ich war zu glücklich, um noch weiter darüber nachdenken zu wollen, was wir erlebt hatten. Mit ihren mittlerweile 43 cm und je 3 kg waren sie für uns riesig und stellten unser Leben abermals komplett auf den Kopf.

Ich möchte allen Eltern in ähnlichen Situationen Mut machen. Ihr schafft das! Vergesst Euch selbst nicht – geht mal essen oder ins Kino. Oder trefft eine Freundin. Ihr braucht Kraft, um gemeinsam mit Euren Kindern zu kämpfen.

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