Pressemitteilung
Fragen an Dr. Francois Gasse - UNICEF Senior-Gesundheitsexperte für Neugeborenen-Tetanus
Was ist Tetanus?
Tetanus, auch als Wundstarrkrampf bezeichnet, ist eine häufig tödlich verlaufende Infektionskrankheit, die durch ein Bakterium ausgelöst wird. Gelangen die Sporen des Bakteriums in den Körper, zum Beispiel durch offene Verletzungen, vermehren sie sich und setzen dabei einen nervenschädigenden Giftstoff (Tetanospasmin) frei, der das zentrale Nervensystem befällt und schmerzhafte Lähmungen und Muskelkrämpfe verursacht.
Was ist Tetanus bei Neugeborenen?
Der Tetanus-Erreger bildet seine Sporen in der Erde, in Tiermist und in Fäkalien. Unter schlechten hygienischen Bedingungen kann es für Babys gleich nach der Geburt zum Kontakt mit dem Erreger kommen. Anschließend breitet sich die Krankheit innerhalb von drei Tagen bis drei Wochen im Körper des Neugeborenen aus und zieht fast immer einen raschen und schmerzvollen Tod nach sich.
Wie kommt es zu Infektionen?
Neugeborenen-Tetanus ist die Ursache für 5-7% heutiger Sterblichkeit bei Neugeborenen. Dabei werden vermutlich nur 2-5% der durch Tetanus verursachten Todesfälle bei Neugebornen überhaupt gemeldet. Fast ein Drittel aller Geburten in Entwicklungsländern werden von ungelernten Helfern oder Familienmitgliedern durchgeführt. Häufig steht der Mutter niemand bei der Geburt zur Seite und sie ist ganz allein. Nicht gereinigte Hände und das Durchtrennen der Nabelschnur mit unsauberen Instrumenten können zu Infektionen führen. Zudem gibt es althergebrachte Traditionen, nach denen die Nabelschnur mit Butterfett, Tiermist oder Schlamm „versiegelt“ wird.
Was geschieht bei einer Infektion mit Tetanus?
Neugeborenen-Tetanus bricht sehr schnell aus, infizierte Kinder sterben innerhalb von 14 Tagen nach ihrer Geburt. Dabei kann ein infiziertes Neugeborenes zunächst vollkommen gesund erscheinen. Normalerweise zeigen sich erste Symptome erst zwei bis drei Tage nach der Geburt, wenn sich Kiefer und Gesichtsmuskeln des Babys aufgrund der Tetanusvergiftung allmählich verkrampfen. Der Mund wird zunehmend steifer, so dass er sich schließlich gar nicht mehr öffnen lässt (Kieferklemme) und das Kind nicht mehr gestillt werden kann. Der Körper versteift, verkrümmt und verkrampft sich, wenn das Kind durch Licht, Geräusche oder Berührungen gereizt wird. Schließlich behindern diese Krämpfe auch die Atemmuskulatur, so dass das Kind nicht mehr atmen kann und schließlich stirbt.
Kann Tetanus nach einer Infektion noch behandelt werden?
Ist Tetanus erst einmal ausgebrochen, gibt es keine echte Behandlung der Ursache. Lediglich eine rasche intensiv-medizinische Versorgung kann die Schwere der Erkrankung verringern. Entsprechend sterben in Entwicklungsländern nahezu alle Säuglinge an den Folgen einer Tetanusinfektion. Selbst in den Gegenden, in denen eine intensiv-medizinische Behandlung möglich wäre, sterben noch 70 Prozent der Neugeborenen, weil die Infektion bei ihnen schon zu weit fortgeschritten ist.
Warum sind Impfstoffe so wichtig?
Ist eine Mutter zweimal mit dem Tetanus Toxoid geimpft besteht eine Grundimmunisierung und sie gibt ihre Antikörper an ihr Kind weiter, das auf diese Weise für die ersten zwei Monate seines Lebens geschützt ist. Die Mutter ist mindestens für drei Jahre geschützt. In Entwicklungsländern mit hohem Tetanusrisiko wird empfohlen, allen Frauen im gebärfähigen Alter drei aufeinander folgende Impfungen zu geben. Leider haben die ärmsten Menschen in den weniger entwickelten Ländern kaum oder gar keinen Zugang zu Gesundheitseinrichtungen. Sie verfügen also nicht über diesen Schutz.
Besteht für mein Baby ein Risiko?
Das Risiko ist in Europa sehr gering. In den meisten Teilen der Welt stellt Tetanus für Neugeborene und deren Mütter keine Gefahr mehr dar. In den Industrieländern werden Mütter und ihre Kinder in der Regel durch eine Routineimpfung mit einem aktiven Toxoidimpfstoff geschützt. Außerdem gebären die meisten Mütter in Geburtseinrichtungen in Anwesenheit einer Geburtshelferin oder eines Arztes unter hygienischen Bedingungen. Ein Leben in zwei ganz verschiedenen Welten.
Was unternimmt UNICEF, um Mütter und Kinder vor Tetanus zu schützen?
Impfungen zählen für UNICEF zu den wichtigsten und effektivsten Gesundheitsmaßnahmen. Die Organisation hilft deshalb in den betroffenen Ländern, große Impfkampagnen für Millionen schwangerer Frauen und Kinder zu organisieren. UNICEF stellt Impfstoffe bereit, sorgt für Kühlboxen und bildet Helfer aus. UNICEF hilft zudem, die Bevölkerung über die Wichtigkeit von Impfungen aufzuklären.